
In diesem Fantasy-Roman für Kinder und Jungendliche stehen das Wandlermädchen Elyra und ihr Bruder Lukan vor so manchen Herausforderungen. Denn beide müssen nicht nur lernen, ihre vermeintlichen Unzulänglichkeiten zu akzeptieren, sondern so ganz nebenbei steht plötzlich die letzte Zuflucht und das Zuhause der Wandler vor der endgültigen Vernichtung.
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Geplantes Erscheinungsdatum: 24.12.2025
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Klappentext
Ich bin Elyra. Wie alle Seelen des Waldes erfahre ich in der Nacht zu meinem zwölften Geburtstag in einem uralten Ritual, welcher Teil meiner Seele sich bislang verborgen hielt. Während meine Mitschüler alle wissen, was ihnen bevorsteht, ist das bei mir etwas komplizierter: Wird sich das Erbe meiner Mutter oder das meines Vaters durchsetzen?
Doch noch bevor ich meine neuen Fähigkeiten richtig einsetzen kann, bahnt sich eine Katastrophe an: Unser Wald steht in Flammen, das Zuhause der Waldseelen scheint dem Untergang nahe. Können wir das größte Unglück seit Anbeginn der Zeit verhindern oder wird alles verloren sein?
Leseprobe
Die Sonne scheint mit letzter Kraft durch die Baumkronen am Rande der Lichtung und taucht alles in ein magisch orangefarbenes Licht. In der Mitte der Lichtung ist eine Art Kreis aus Steinen aufgebaut, das Innere des Kreises ist in Segmente eingeteilt: je eines für jede Wandlerart. Neben den Vögeln und Jägern gibt es noch die Nager, die Äser und die Nassen. Außerhalb des Steinkreises haben sich die Bewohner unseres Dorfes aufgestellt, jede Art hinter dem ihr zugeordneten Segment. Ich sehe Mama in der ersten Reihe der Vögel stehen, direkt neben Maja und Maël. Lukan steht in der Gruppe rechts daneben, aber ich sehe, wie er an den Rand gedrängt wird. Kaum jemand der anderen Jäger will ihn als halben Vogel in seiner Nähe haben. Bei den Nagern sehe ich meine Freundin Fips. Ihr Ruf fand vor gut zwei Monaten statt und sie wandelt sich seitdem jeden Morgen in ihre Tierform als Wiesel, um durch mein geöffnetes Fenster zu schlüpfen und mich mit einem Biss in die Zehen zu wecken. Wäre sie nicht die allerbeste Freundin auf der Welt, würde ich sie dafür hassen. Aber Fips ist eben Fips und für sie lasse ich sogar trotz der schmerzenden Füße gerne das Fenster einen Spalt breit offen. Direkt neben ihr steht Rike, im Segment der Äser. Sie hat ihr Ritual noch vor sich, aber man sieht ihr jetzt schon an, in was für ein schönes Reh sie sich wandeln wird. Schlank und anmutig mit einer gewissen Erhabenheit. Sie steht mit erhobenem Haupt neben ihren Eltern, die beide zum Rat der Ältesten gehören.
Nur bei den Nassen kommt mir kein einziges Gesicht bekannt vor. Geht das nur mir so, oder leben diese Wandler tatsächlich eher zurückgezogen?
Hinter mir beginnt ein Chor zu singen. Das ist mein Zeichen, den mit Fackeln markierten Weg in Richtung Steinkreis zu betreten. Hier soll ich jetzt also vor aller Augen erst eine Runde um den Kreis drehen – damit mich auch ja jeder Teilnehmer ausgiebig beobachten kann – bevor ich mich dann in den Kreis zu stellen habe. Obwohl mir die ganze Prozedur bereits bekannt ist und ich selbst bei Fips mitgefiebert habe, als gäbe es nichts Spannenderes auf der Welt zu sehen, habe ich doch ganz schön Muffensausen. Mein Herz rast, als würde es gerade an einem der Wettrennen mit den anderen um den Sieg kämpfen. Meine Gedanken sind… naja, irgendwie wirr. Und auch meine restlichen Sinne, auf die sonst immer Verlass ist, sind irgendwie taub. Ich mache den ersten Schritt auf den Weg und alles verstummt. Keine Ahnung, ob es an meiner Aufregung liegt, oder daran, dass der Weg bereits Teil des Steinkreises ist. Fips war noch viel nervöser als ich, sie konnte sich an absolut gar nichts mehr erinnern. Und dabei habe ich es so oft versucht, irgendwelche Details aus ihr herauszubekommen. Wie es sich in der Mitte des Kreises angefühlt hat. Woher sie wusste, wie das mit der Wandlung funktioniert… Nichts konnte sie mir beantworten.
Langsam gehe ich weiter und bin bei jedem Schritt extra vorsichtig. Der Boden ist uneben und ich habe mir fest vorgenommen, das hier ohne Sturz über die Bühne zu bringen. Ich werde es doch wohl schaffen, so ein paar läppische Meter feierlich und anmutig hinter mich zu bringen, so, wie es sich für eine anständige Wandlerin auf bei ihrem Ruf nun mal gehört.
Wie in Trance habe ich den Weg zum Steinkreis und die Runde darum herum heil hinter mich gebracht. Doch was soll ich jetzt tun? Denke Elyra! Du hast das Ritual doch schon so oft gesehen! Ich schaue auf und erhasche den Blick meiner Mutter, die mir aufmunternd zunickt. Gut, dann werde ich jetzt also in den Steinkreis treten. Nur noch einen Schritt. Fuß heben und – nein! Nein, nein, nein, nein, nein! Ich habe doch jetzt nicht den ganzen Weg hierher, in diesem sauteuren und todschicken Kleid, über den unebenen Weg zum Steinkreis und drum herum geschafft, um jetzt beim letzten Schritt zu scheitern! Doch all mein Flehen hilft nichts, mein Bein klappt einfach in sich zusammen. Ich kann mein Gewicht nicht ausgleichen und stürze regelrecht kopfüber in den Kreis. Jetzt liege ich bäuchlings vor allen Zuschauern im Dreck. Ok, der Zeremonienmeister würde das Zeug sicherlich nicht als Dreck bezeichnen. Die Tierarten werden schließlich durch verschiedene beinahe heilige Symbole im Kreis gekennzeichnet: Jäger durch Knochen, Vögel durch Laub, Äser durch frisches Gras, Nager durch getrocknete Zweige und die Nassen durch Flusskiesel. Ich muss sagen, der Kreis sieht eigentlich ganz hübsch aus, mit seinen Segmenten. Oder vielmehr sah ganz hübsch aus… Da jetzt eh schon alles zu spät ist, rappele ich mich schnellstmöglich wieder auf und versuche mein Kleid in Ordnung zu bringen. Ist vielleicht besser, dass mein Gehör so komplett ausgesetzt hat, auch wenn diese absolute Stille schon ein wenig gruselig ist. Dennoch ist sie sicherlich besser, als das Lachen der Jäger oder die abschätzigen Sprüche der Äser und Nager, die meinen Sturz nur wieder als Beweis dafür sehen, dass die Arten sich eben doch nicht mischen sollten.
Und dann höre ich es. Ein Geräusch, klar und deutlich. So etwas schönes, verlockendes habe ich noch nie gehört. Es kommt aus keiner bestimmten Richtung, sondern ist einfach so da. Und es fühlt sich gut an. Keine Ahnung, wieso sich ein Geräusch überhaupt anfühlen kann, aber ganz genau so ist es.